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Pain Reprocessing Therapy – was ist das und für wen ist sie geeignet?

Buch von Alan Gordon - The Way Out

Wenn du auf diesen Artikel gestoßen bist, hast du vielleicht bereits von Pain Reprocessing Therapy gehört – durch ein Buch, einen Podcast, oder weil jemand in einem Forum davon erzählt hat.

Vielleicht hast du auch das Buch „Wege aus dem Schmerz" von Alan Gordon gelesen – oder kennst die Arbeit von Dr. John Sarno, der schon in den 1980er Jahren beschrieb, dass viele chronische Schmerzen ihren Ursprung im Nervensystem haben.

Dieser Artikel erklärt, was Pain Reprocessing Therapy ist, wie sie funktioniert – und ob sie für dich sinnvoll sein könnte.



Wo PRT herkommt


Pain Reprocessing Therapy wurde von Alan Gordon, Psychotherapeut und Gründer des Pain Psychology Center in Los Angeles, entwickelt. Gemeinsam mit seinem Team arbeitete er über

Jahre mit Menschen, deren chronische Schmerzen sich durch klassische medizinische Behandlungen nicht verbesserten.

Die Grundannahme: Viele chronische Schmerzen – besonders solche ohne klaren strukturellen Befund oder solche, die trotz Behandlung bestehen bleiben – entstehen nicht durch anhaltende Gewebeschädigung, sondern durch erlernte Alarmmuster im Gehirn.

2021 wurde PRT in einer klinischen Studie der Universität Colorado untersucht. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Ein Großteil der Teilnehmenden mit chronischen Rückenschmerzen war nach der Behandlung schmerzfrei oder hatte deutliche Verbesserungen – Ergebnisse, die auch ein Jahr später noch anhielten. ¹

Alan Gordons Buch „The Way Out" – auf Deutsch erschienen als „Wege aus dem Schmerz" – hat diese Methode einem breiten Publikum zugänglich gemacht.



Der Einfluss von Dr. John Sarno


Wer sich mit PRT beschäftigt, stößt früher oder später auch auf Dr. John Sarno, Rehabilitationsmediziner an der New York University. Sarno beschrieb bereits in den 1980er und 1990er Jahren, dass chronische Rückenschmerzen häufig durch das Nervensystem und unterdrückte emotionale Prozesse entstehen – nicht durch strukturelle Schäden.

Seine Bücher – darunter „Healing Back Pain" und das auf Deutsch erschienene „Von Rückenschmerz befreit" – galten lange als kontrovers. Heute zeigt die moderne Schmerzforschung, dass er mit vielen seiner Kernthesen richtig lag.

Für mich persönlich war die Begegnung mit Sarnos Arbeit und später mit Alan Gordons Ansatz ein Wendepunkt – sowohl in meinem eigenen Umgang mit chronischen Beschwerden als auch in meiner therapeutischen Arbeit. Es war der Moment, in dem vieles einen neuen Rahmen bekam.



Was PRT in der Praxis bedeutet


Pain Reprocessing Therapy arbeitet mit dem Gehirn – genauer gesagt mit dem Gefahrenbewertungssystem, das Schmerzsignale erzeugt.

Das Ziel ist nicht, Schmerzen wegzudenken oder zu ignorieren. Es geht darum, dem Gehirn neue Informationen zu geben: dass keine akute Gefahr mehr besteht. Dass der Körper sicher ist.

Das passiert durch mehrere Elemente:


Schmerzaufklärung (Pain Education) Verstehen, wie Schmerz im Nervensystem entsteht, ist selbst ein Teil der Behandlung. Wissen reduziert Bedrohlichkeit – und das verändert die Schmerzverarbeitung direkt.


Somatic Tracking Eine der zentralen Techniken der PRT: Du lernst, Körperempfindungen mit Neugier statt mit Angst wahrzunehmen. Das unterbricht den Kreislauf aus Schmerz, Aufmerksamkeit und Anspannung – einen Kreislauf, der chronische Schmerzen oft aufrechterhält.


Arbeit mit Angst- und Schutzmustern PRT schaut auch darauf, welche emotionalen Prozesse und Stressmuster das Nervensystem in Alarmbereitschaft halten – ohne dabei in endlose Analyse zu verfallen.


Neue Sicherheitserfahrungen Das Nervensystem verändert sich durch Erfahrung. Ein zentrales Ziel der Begleitung ist es, Momente zu schaffen, in denen dein System lernt: Es ist sicher.



Weitere wichtige Stimmen: Howard Schubiner und „This Might Hurt"


Ein weiterer Arzt, dessen Arbeit dieses Feld wesentlich geprägt hat, ist Dr. Howard Schubiner – Internist und Schmerzforscher aus den USA. Schubiner arbeitet seit Jahrzehnten mit Menschen, deren chronische Schmerzen durch nervensystemorientierte Ansätze behandelbar sind. Sein Buch „Unlearn Your Pain" – aktuell in einer neuen Auflage erschienen, bisher leider nur auf Englisch – ist ein praxisnahes Programm, das Erkenntnisse aus der modernen Schmerzforschung direkt anwendbar macht.

Schubiner ist auch einer der Protagonisten des Dokumentarfilms „This Might Hurt" – ein bewegender Film über Menschen mit chronischen Schmerzen und ihre Erfahrungen mit nervensystemorientierten Ansätzen. Wer tiefer einsteigen möchte: Der Film ist auf thismighthurtfilm.com käuflich erhältlich und sehr empfehlenswert.

Seine Erkenntnisse fließen neben PRT wesentlich in meine tägliche Arbeit ein.



Der Kurs „Freedom from Chronic Pain"


Neben diesen Büchern und Filmen gibt es inzwischen auch strukturierte Programme, die PRT und verwandte Ansätze kombinieren. Der Kurs „Freedom from Chronic Pain" ist eines davon – ein intensives Programm, das Pain Reprocessing Therapy mit weiteren nervensystemorientierten Methoden, darunter auch Elemente aus Howard Schubinerscher Arbeit, verbindet.

Dieser Kurs hat meine eigene Arbeit wesentlich geprägt und ist ein Baustein meiner therapeutischen Ausbildung. Die Inhalte fließen direkt in meine Begleitung ein.



Für wen ist PRT geeignet?


PRT ist besonders dann sinnvoll, wenn:


  • Schmerzen seit Monaten oder Jahren bestehen

  • Untersuchungen keinen oder keinen ausreichenden strukturellen Befund zeigen

  • Schmerzen wandern, wechseln oder sich unter Stress verstärken

  • Bereits viele Behandlungen versucht wurden, ohne dauerhaften Erfolg

  • Der Schmerz das Leben spürbar einschränkt und du verstehen möchtest, warum


Typische Beschwerdebilder sind chronische Rücken- oder Nackenschmerzen, Migräne, Fibromyalgie, Reizdarm, diffuse Muskel- oder Gelenkschmerzen sowie anhaltende Beschwerden nach Verletzungen ohne klaren strukturellen Befund.

PRT ist keine Psychotherapie. Sie eignet sich als ergänzender Ansatz – besonders dann, wenn medizinische Behandlungen ausgeschöpft wurden oder keine befriedigende Erklärung gefunden wurde.



Was PRT nicht ist


Ein Punkt ist mir wichtig:

PRT bedeutet nicht, dass dein Schmerz „eingebildet" ist. Oder dass du dir „nichts dabei denken sollst". Oder dass es nur an deinen Gedanken liegt.

Der Schmerz ist real. Vollständig real.

PRT verändert nicht den Schmerz durch Willenskraft – sondern durch ein tieferes Verständnis dessen, was im Nervensystem passiert, und durch neue Erfahrungen, die dem Gehirn zeigen: Die Gefahr ist vorbei.



Wie ich mit PRT arbeite


In meiner Praxis NeuroBewegt in Berlin verbinde ich Pain Reprocessing Therapy mit einem breiteren nervensystemorientierten Ansatz. Je nach Situation fließen auch körpertherapeutische Elemente, Schreibübungen wie JournalSpeak oder Nervensystemregulation ein.

Die Begleitung ist individuell, ruhig und ohne Druck. Sie kann online oder vor Ort in Berlin-Hermsdorf stattfinden.



Nächste Schritte


Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie die Begleitung bei neuroplastischen Schmerzen bei mir aussieht:


Wenn du direkt klären möchtest, ob dieser Ansatz zu deiner Situation passt:




Quellen

¹ Ashar YK, Gordon A, Schubiner H, et al. Effect of Pain Reprocessing Therapy vs Placebo and Usual Care for Patients With Chronic Back Pain. JAMA Psychiatry. 2022;79(1):13–23. doi:10.1001/jamapsychiatry.2021.2669

 
 
 

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